Es war einmal, vor langer Zeit...

Gurgelglucks

Der Morgen ist noch jung. Zwei Rotkehlchen auf dem alten Feldahorn zwitschern gut gelaunt ihr Lied in die kalte Morgenluft. Die Sonne hat ihre ersten Strahlen über Wiesen und Hügel geworfen und die Welt in wunderschönes Licht getaucht. Tautropfen glitzern wie kleine, kostbare Diamanten auf den Pflanzen und an den zarten Spinnweben beim Fenster. Und dann ganz unerwartet: «Gurgelglucks»!

 

Das unbekannte Geräusch kommt vom Bachufer her, irgendwo dort zwischen den hohen Brennesseln und den Weiden. Wer oder was kann das bloss sein? Ein Igel vielleicht oder ein Feldhase? Können die denn überhaupt gurgelglucksen? Natürlich nicht.

 

Einige der Brennesseln wanken auffallend hin und her. Und für einen kurzen Augenblick geben sie die Sicht frei auf ein kleines Geschöpf mit zottelig-grünen Haaren und leuchtendbraunen Knopfaugen. Es hat eine auffallend grosse Nase, spitze Zähnchen, zwei sehr grosse Füsse und riecht dezent nach Moos und Pilzen. Das ist ja ein Troll! Er sitzt fröhlich inmitten der Brennnesseln und kann sein Glück kaum glauben. Die Pflanzen sehen gross, gesund und kräftig aus. Und wie es scheint, hat noch niemand vor ihm dieses Feld entdeckt, zumindest kein anderer Troll. Denn sonst würden es ihm kleine kantige Bissspuren an den Blättern verraten. Ganz entzückt und mit leuchtenden Augen isst der kleine Troll ein zartes Blatt nach dem anderen und schmatzt dabei laut vor sich hin. Ab und zu wechselt er seinen Platz, hüpft geschickt von einer Brennessel zur nächsten, und wenn eine Blattspitze seinen kleinen, rundlichen Körper berührt, dann – ja genau dann – gurgelgluckst er. Es scheint, als ob ihn die Brennnesseln kitzeln würden. Könnte das Gurgelglucksen gar ein Troll-Lachen sein? Dann wären Brennnesseln ja eigentlich gar keine Brennnesseln, sondern Lachnesseln, zumindest für den Troll!

 

Ein gurgelglucksender Troll und Lachnesseln! Was für ein wunderbarer Morgen… wäre da nicht diese graue Katze, die geschmeidig und auf leisen Pfoten gerade vom Schopf herunter steigt und vorsichtig zum Brennesselfeld schleicht. Ja, der kleine Troll ist schon seit einiger Zeit nicht mehr alleine auf der grünsaftigen Wiese ...
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